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Katharina Hildebrand, Heiko Gebauer, Elgar Fleisch
io new management Nr. 10, 2004, 10-15.
Viele
Unternehmen haben heute den Nutzen von Dienstleistungsangeboten für ihr
Geschäft erkannt: bei immer ähnlicheren Produkten kann Dienstleistung
vom Wettbewerb differenzieren, die Margen verbessern, Kundenbeziehungen
stabilisieren und letztlich die Kundenbindung erhöhen. Immer mehr
Unternehmen erweitern deshalb ihr Portfolio um Dienstleistungen und
werden vom reinen Produktanbieter zum Anbieter von Dienstleistungen und
Systemen bis hin zu Komplettlösungen.
Nicht immer jedoch verläuft
der Wandel vom Produkt- zum Dienstleistungsanbieter erfolgreich. In
einer Studie des Instituts für Technologiemanagement der Universität
St. Gallen (ITEM-HSG) an 199 produzierenden Unternehmen lag der
Dienstleistungsanteil am Gesamtumsatz bei 77 Unternehmen (38,7%) unter
10%, bei weiteren 53 Unternehmen (26,6%) unter 20%. Bei immerhin 22
Unternehmen (11,1%) lag er über 40%.
Die Autoren haben die Gründe für den überwiegend geringen
Dienstleistungsanteil untersucht und schlagen einen mehrstufigen Ansatz
zum Aufbau eines erfolgreichen Dienstleistungsgeschäfts vor.
Kerngedanke:
Dienstleistungen sollten nicht ad hoc ausgeweitet, sondern systematisch
und schrittweise auf- und ausgebaut werden. Strategisches
Dienstleistungsmanagement und ganzheitlich darauf ausgerichtete
Unternehmen sollten die heute noch weit verbreiteten
Einzeldienstleistungen ablösen. Dabei sollten die folgenden sechs
Schritte durchlaufen werden:
1. Bestandsaufnahme
Das Unternehmen stellt in einem Audit seine Ressourcen und Fähigkeiten,
das momentane Produkt- und Dienstleistungsportfolio und den
Dienstleistungsbedarf der Kunden fest. Hierzu sind die Kundenprozesse
und die damit verbundenen Bedürfnisse genau zu analysieren und zu
prüfen, ob und inwieweit der Kunde bereit ist, Dienstleistungen nach
aussen zu vergeben. Aus den Ergebnissen können Rückschlüsse auf den
möglichen Kundennutzen und das Marktpotenzial für bestimmte
Dienstleistungen gezogen werden.
2. Formulierung der Dienstleistungsstrategie
Ausgehend vom den Audit-Ergebnissen und von der Unternehmensstrategie
wird die Dienstleistungsstrategie entwickelt. Breite und Tiefe des
Dienstleistungsangebots und die relative Bedeutung des
Dienstleistungsgeschäfts im Verhältnis zum Produktgeschäft sollten
ausdrücklich festgelegt und mit klaren Zielen versehen werden. Diese
Überlegungen sind sehr weit reichend – sie können z.B. eine
Umpositionierung des Unternehmens vom reinen Produktanbieter zum
Lösungsanbieter nach sich ziehen.
3. Gestaltung des Dienstleistungsangebotes
Die Dienstleistungsstrategie wird ausgestaltet, indem das
Leistungsportfolio konkret festgelegt und sein Umfang bestimmt werden.
Je nach Ergebnis wird sich das Unternehmen grundsätzlich mehr als
Produktanbieter mit unterstützenden Dienst-leistungen oder als
Lösungsanbieter im Markt positionieren. Diese Positionierung sollte an
einzelne Kundensegmente angepasst werden, sofern deren Bedürfnis- und
Nutzen-struktur im Dienstleistungsbereich differieren. Grundsätzlich
ist darauf zu achten, dass die Kundensegmentierung im Produktbereich
meist von jener im Dienstleistungsbereich abweicht, da unterschiedliche
Segmentierungskriterien vorliegen (z.B. technische Anforderungen vs.
Bereitschaft zum Outsourcing von Dienstleistungen).
Zur Ausgestaltung des Dienstleistungsangebotes gehört schliesslich auch
eine genaue Festlegung der Ziele sowie des Umsetzungskonzeptes.
4. Kommunikation der Dienstleistungen
Dienstleistungsangebot und Positionierung sind intern und extern zu
kommunizieren. Hierbei werden unterschiedliche Ziele verfolgt: intern
kommt es vor allem darauf an, die Bedeutung von Dienstleistungen für
das Unternehmen und für den Kunden zu verdeutlichen und ein
Dienstleistungsbewusstsein bei allen Mitarbeitern zu schaffen. Extern
ist in erster Linie der Nutzen einer bestimmten Dienstleistung für den
Kunden zu kommunizieren. Besonders wichtig ist dabei, dass sich der
Kunde des Wertes der Dienstleistung bewusst wird und diese als
eigenständige, zu verrechnende Leistung wahrnimmt.
5. Organisation des Dienstleistungsbereichs
Systematische Organisationsentwicklung muss dafür sorgen, dass das
Unternehmen an die neuen Anforderungen angepasst wird. Hierbei müssen
oft die gewachsenen Strukturen aufgebrochen und neu organisiert werden,
um z.B. eine Bevorzugung des traditionellen Produktgeschäfts zu Lasten
des neuen Dienstleistungsgeschäfts zu verhindern. Die folgenden
organisatorischen Massnahmen können das Dienstleistungs-geschäft
fördern:
-
Bestimmung von Dienstleistungseignern als Ansprechpartner und Umsetzer
für den Kunden sowie als interne "Champions" für die jeweiligen
Dienstleistungs-produkte.
- Bildung einer Dienstleistungsorganisation, z.B. als Profit Center mit eigener Kosten-, Gewinn- und Verlustverantwortung.
-
Stärkung dienstleistungsspezifischer Kompetenzen der Mitarbeiter, z.B.
Eigen-initiative, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit im Umgang
mit dem Kunden.
6. Industrialisierung und Controlling
Mit zunehmender Erfahrung sind alle Dienstleistungsprozesse so zu
optimieren, dass die Leistungen möglichst effizient erbracht werden
können. Individuallösungen sind darauf zu prüfen, ob sie auch bei
anderen Kunden eingesetzt werden können. Schliesslich ist durch ein
umfassendes, kennzahlengestütztes Controlling die Wirtschaftlichkeit
des Dienst-leistungsgeschäfts zu monitoren und zu steuern. Hohe
Kostentransparenz ist dabei von besonderer Bedeutung.
Fazit:
Dienstleistungsgeschäft kann wichtige Beiträge zum Erfolg eines
Unternehmens leisten, wie z.B. bessere Wettbewerbsdifferenzierung,
festere Kundenbindung, höheren Umsatz und grössere Profitabilität.
Voraussetzung ist allerdings eine systematische und strategische
Vorgehensweise, die am tatsächlichen Kundenbedürfnis und am
Kunden-nutzen ansetzt und schrittweise die gesamte Organisation auf die
neuen Anforderungen ausrichtet. |