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Chancen und Risiken der Nanotechnologie Drucken E-Mail
Geschrieben von Ralf Pulz   
Dienstag, 13.02.2007

Unter diesem Thema fand am 12. Februar 2007 ein Schwerpunkttreffen der Norddeutschen Initiative Nanomaterialien (NINa) statt. Rund 50 Teilnehmer folgten der Einladung nach Neumünster in die Akademie für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Indiz für das grosse Interesse am Thema.

Standen noch vor wenigen Jahren die Chancen der Nanotechnologie im Vodergrund, so rücken in letzter Zeit immer wieder die Risiken ins Blickfeld - man muss sich also fragen, ob diese Skepsis begründet oder unbegründet ist. Zwei Vorträge beleuchteten den aktuellen Kenntnisstand über Auswirkungen von Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt. Fazit: Man steht noch relativ weit am Anfang der Forschung, es herrscht noch viel Unsicherheit. Vorsicht und vorbeugende Schutzmassnahmen sind deshalb angezeigt. 

Für den Menschen können Nanomaterialien soweit bekannt nur in ihrer ursprünglichen Form und Größe wirksam werden, da sie nur dann über Magen, Lunge und zum Teil auch über die Haut aufgenommen werden. In Versuchen wurde beobachtet, dass sich aufgenommene Nanopartikel in inneren Organen anreichern, wie Lunge, Leber und Blase, in Blut und Nervenbahnen transportiert werden und sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Da einzelne Partikel meist sofort zur Agglomeration neigen, sind die Chancen zur Aufnahme aber eher gering. Keine Gefahr besteht, wenn sie gar nicht frei vorkommen, sondern in eine Matrix eingebunden sind.

Die Auswirkungen von Nanopartikeln im Körper sind derzeit noch nicht genau bekannt. Sie hängen sehr wahrscheinlich von der Art des Materials und der Partikelgrösse ab. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Anreicherungsfähigkeit und Mobilität auch grosse Chancen für diagnostische oder therapeutische Anwendungen in der Medizin bergen (zum Beispiel Zellmarkierung, Applikation von Medikamenten) - leider steht man auch hier noch relativ weit am Anfang der Forschung. So lange man die Wirkungen der Aufnahme von Nanopartikeln noch nicht genau kennt, sollten grundsätzlich immer vorbeugende Schutzmassnahmen getroffen werden: Haltung in einer Matrix, geschlossene Prozessführung (Einkapselung) und persönlicher Haut- und Atemschutz.

In der technischen Umwelt findet man heute verbreitet passive Nanostrukturen (zum Beispiel Polymere, Beschichtungen, Nanolacke) und aktive Nanostrukturen (zum Beispiel Katalysatoren, organische Halbleiter wie OLEDs). Sie bieten grosse Chancen für die Entlastung der Umwelt, sei es am Prozessende (als Katalysator zur Abgasreiningung), in der Produktion (als Flammschutzmaterial) oder in der Gebrauchsphase (als Farbsolarzelle).

Andererseits ist auch hier wichtig, dass die Strukturen gebunden sind:  Grosse Mobilität in Wasser, Luft und Boden, die Fähigkeiten zur Bioakkumulation und Selbstorganisation (bis hin zur Selbstreplikation?) und die Persistenz spezifischer Funktionalitäten (zum Beispiel katalytische Wirkung) machen die Beherrschung von freien Nanopartikeln zu einer grossen Herausforderung - wenn nicht ganz unmöglich. Dies gilt natürlich vor allem für Herstellungsprozesse. Für diese ist ein vorsorgeorientiertes Risikomanagement vorzusehen - zumindest so lange, wie das Wissen um die genaue Wirkung von Nanopartikeln noch unsicher ist oder ganz fehlt. Vorsorge gilt aber auch für den Produktentwicklungsprozess, der soweit wie möglich "eigensicher" gestaltet werden sollte. Diese Strategie ist auch unter dem Stichwort "nachhaltige Technologie- und Produktentwicklung" bekannt.

In einer lebhaften Diskussion am Ende der Veranstaltung wurde deutlich, wie wichtig die umfassende und vor allem sachliche Aufklärung über Nanotechnologie ist. Die NINa wird auch zukünftig ihren Beitrag dazu leisten. 

Link und Downloads:  http://www.i-sh.org/ish/NINa-Initiative/nanomaterialien_nina.php