Startseite arrow News arrow Innovation und Wirtschaftskrise
 
Innovation und Wirtschaftskrise Drucken E-Mail
Geschrieben von Ralf Pulz   
Montag, 13.07.2009

 

Innovation in der Wirtschaftskrise - geht das?

Glaubt man einigen Studien, so wirkt sich die momentane Wirtschaftskrise negativ auf die Innovationstätigkeit in Deutschland aus. Damit zeigt sich ein fataler Effekt: Während Unternehmen die Krise eigentlich als Chance sehen sollten, um sich optimal für die Zukunft aufzustellen, tritt offenbar das Gegenteil ein. Der kluge Rat, in Zeiten der Krise antizyklisch zu agieren, kann offensichtlich nicht umgesetzt werden.

Muss das so sein? Wir meinen: nicht in jedem Fall. Natürlich wollen und können Unternehmen, die massiv unter der Krise leiden, kaum an Innovationsprojekte denken – finanzielle Mittel fehlen oder sind knapp, andere Probleme sind viel drängender, wie der Kampf um Aufträge oder die Senkung der Kosten; es geht schlicht ums Überleben. 

Aber was ist mit den weniger betroffenen Unternehmen und Branchen? Diese gibt es nach wie vor, und sie sollten die neuen Chancen pragmatisch ergreifen. Drei davon möchten wir kurz skizzieren:

Schwachstellen werden besser sichtbar.

Die Krise kristallisiert Schwächen klar heraus. Unternehmen sollten diese sehr gezielt erfassen und beseitigen. Zu den typischen Schwachstellen vieler Unternehmen gehören verspätete und schlecht laufende Markteinführungen - mit entsprechend verzögerten Umsätzen, Ergebnissen und Zusatzkosten. Darüber hinaus bearbeiten manche Unternehmen zu viele, oft auch nicht die richtigen Projekte gleichzeitig. Dies verstärkt die Probleme auf der Kostenseite, da die (knappen) finanziellen Mittel und Ressourcen uneffektiv gebunden werden.

Mögliche Lösungen könnten u.a. in der Überarbeitung des gesamten Innovationsprozesses und in der Einführung eines strategischen Projektmanagements, bei grösseren Unternehmen eines Multiprojekt-Managements, bestehen.

Geringere Auslastung kann produktive Freiräume schaffen.

Der neue Freiraum im Tagesgeschäft kann dazu genutzt werden, Aufgaben anzugehen, die zuvor aus Zeit- und Ressourcenmangel verschoben werden mussten. Wurden Schwachstellen im Bereich des Innovationsmanagements identifiziert, können diese jetzt gezielt beseitigt werden. Ebenso können neue Innovationsprojekte gezielt vorbereitet oder die Mitarbeitenden zum Thema Innovation fortgebildet werden. Geschieht die Fortbildung während Kurzarbeit, übernimmt der Staat von Beginn an die vollen Sozialabgaben.

Sofern man diese Aufgaben intern löst, nutzt man die ohnehin vorhandenen Kapazitäten und schont das Budget. Zieht man externe Unterstützung hinzu, löst man manche Aufgabe möglicherweise schneller. Die zusätzlichen Kosten können durch spezielle Förderprogramme ganz oder anteilig übernommen werden.

Innovations- und Investitionstätigkeiten werden besonders gefördert.

Die reguläre KfW Mittelstandsförderung wurde mit dem KfW Sonderprogramm um über 50 Mrd. EUR aufgestockt. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des BMWi wurde ebenfalls erweitert und für zusätzliche Zielgruppen geöffnet. Zusätzliche Förderprogramme, wie das Turnaround-Programm der KfW, wurden geschaffen. Politik, KfW, Handelskammern und andere Wirtschaftsförderer tragen ihren Teil dazu bei, die neuen Programme und Chancen zu kommunizieren und den Zugang zu erleichtern. Hierzu gehört auch die massive Intervention der Politik in die Kreditvergabepraxis mancher Banken.

Ausblick

Ein Problem freilich bleibt - auch bei manchen der weniger von der Krise betroffenen Unternehmen: Vorsicht in der Gegenwart überwiegt die Investitionsbereitschaft in die Zukunft. Und es ist nach wie vor schwer, geignetes Fachpersonal, insbesondere im FuE-Bereich, zu finden. Einer aktuellen Umfrage des Münchner ifo-Instituts zufolge klagte mehr als ein Drittel der Befragten über anhaltenden Fachkräftemangel. Die Veränderungsbereitschaft ist in der Krise wohl eher noch gesunken. Hinzu kommt, dass Fachpersonal auch in der Krise unter allen Umständen gehalten wird, insbesondere durch das Instrument der erweiterten Kurzarbeit. Einen Trost gibt es für KMU: Die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen kann mit teils sehr attraktiven Förderprogrammen unterstützt werden.