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Rating - was steckt dahinter? Die Bedeutung von Ratings ist – im Gegensatz zum etwas zweifelhaften Ruf im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise – recht eindeutig: Die jeweilige Ratingnote ist ein Maß für die Bonität, also die Kreditausfallwahrscheinlichkeit der untersuchten Einheit, ob Unternehmen, Land oder gar Wirtschaftsraum. Das Ratingurteil bestimmt damit auch die Kreditkonditionen. Der Grundsatz lautet: Je besser das Rating, desto niedriger die Zinsen.
Spätestens seit dem Inkrafttreten von Basel II durchlaufen auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) regelmäßig ein Rating. Es lohnt sich daher nachzuvollziehen, worauf es beim Unternehmensrating wirklich ankommt. Unser Modell ist das Ratingverfahren eines großen Wirtschaftsdienstleisters. Standardisierung Um Qualität, Aussagekraft und internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden Ratings idealerweise nach bestimmten Standards durchgeführt (z.B. IOSCO, DVFA). Befristung Ratings gelten üblicherweise nur für einen begrenzten Zeitraum, z.B. 12 Monate. Bei gravierenden Veränderungen innerhalb dieser Frist, spätestens aber nach Ablauf, erfolgt eine Neubewertung. Plausibilitätsprüfung Die im Ratingverfahren gewonnen Informationen werden systematisch auf ihre Plausibilität (Stimmigkeit) geprüft, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu erhöhen. Oft werden dabei auch potenzielle Chancen, Risiken oder Fehlentwicklungen aufgedeckt. Übliche Methoden sind: Interne Vergleiche, z.B. Periodenvergleiche, Plan/Ist-Vergleiche, Szenarioanalysen. - Externe Vergleiche, z.B. Benchmarking mit Branchenkennzahlen und Best Practice in besonders erfolgreichen Unternehmen. Ratingagenturen und Banken halten dafür oft eigene Branchenauswertungen vor.
In Bezug setzen von Informationen, z.B. von Strategien mit verfügbaren Ressourcen oder von Produkt- und Marktdaten mit den angestrebten Planzahlen.
Qualitative Analyse Im qualitativen Teil werden Ausprägung und Qualität folgender Faktoren untersucht: Unternehmensstruktur Aufbau- und Ablauforganisation Management und Mitarbeiter Strategie Produkte und Markt Rechnungswesen und Controlling Finanz- und Risikomanagement
Bei jedem dieser Faktoren werden eine Vielzahl von Einzelfragen beantwortet, z.B. nach der Qualität des Führungspersonals, der Innovationsfähigkeit des Unternehmens, dem Einsatz moderner Managementinstrumente oder dem Grad der Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, Kunden und Lieferanten. Manche dieser Faktoren gelten als relativ "weich" im Vergleich zu den "harten" Zahlen. Dieser Eindruck täuscht jedoch: Die qualitativen Daten bilden vielmehr den Hintergrund für die gesamte zahlenmäßige Unternehmensplanung und bestimmen damit wesentlich deren Plausibilität. Darüber hinaus werden sie selbstverständlich auch im Branchenvergleich bewertet und bilden die Grundlage für die Analyse der Stärken/Schwächen und Chancen/Risiken des Unternehmens. Ihre Bedeutung darf deshalb nicht unterschätzt werden. Quantitative Analyse Im Zahlenteil werden Finanzdaten aus Vergangenheit (3-5 Jahre) und Gegenwart analysiert und auf dieser Basis die weitere Unternehmensentwicklung bewertet. Im Einzelnen wird die Entwicklung in vier Bereichen beurteilt: Vermögens- und Kapitalstruktur: Bewertung diverser Bilanzkennzahlen (u.a. Eigenkapitalquote, Fremdkapitalstruktur, Working Capital und Forderungen und Verbindlichkeiten nach Fristigkeit). Finanzkraft: Bewertung insbesondere des Cash-flow, also der momentanen und zukünftigen Fähigkeit des Unternehmens, sich aus dem operativen Betrieb heraus selbst zu finanzieren. Rentabilität: Bewertung von Kennzahlen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung bzw. BWA (u.a. Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität sowie Material-, Rohertrags- und Personalquote, EBITDA, EBIT, EBT und Umsatzrendite). Liquidität: Bewertung weiterer Bilanzkennzahlen (u.a. Liquidität I – III, Net Working Capital).
Zusätzlich werden zahlreiche andere Positionen analysiert (u.a. Auftragseingänge, Auftragsbestände, Offene Posten und Kundenstruktur). Bei allen Kennzahlenanalysen kommen weitgehend automatisierte Systeme zum Einsatz. Die Beurteilung der weiteren Unternehmensentwicklung erfolgt durch Plausibilisierung der aktuellen Unternehmensplanung mit Hilfe der bereits gewonnen Daten. Dabei kommen Szenarioplanungen zum Einsatz (bester, wahrscheinlicher, schlechtester Fall), welche mit den entsprechenden Begründungen und Annahmen untersetzt werden. Fazit Ratings sind eigentlich nichts "Besonderes". Sie vollziehen nur nach, was in erfolgreichen Unternehmen ohnehin täglich umgesetzt wird. Man sollte sie deshalb als das nehmen, was sie im Idealfall sind: als Bestätigung und Motivation für wirksames Management. In diesem Fall sind sie nicht nur ein "notwendiges Übel", sondern ein zusätzliches Management- und Finanzierungsinstrument - und nicht zuletzt auch ein Marketinginstrument. |