Praxistipps: Controlling mit BWA und Summen und Salden – Teil 1

Praktizieren Sie das bekannte Management by Kontostand? Oder warten Sie auf den Jahresabschluss, um die Entwicklung Ihres Unternehmens zu begutachten? Das muss nicht sein! Dafür gibt es unterjährig, in der Regel monatlich, die betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) und Summen und Salden-Listen (in der Praxis „SuSa“ genannt). Sie können damit laufend Gewinne und Verluste (BWA) und Veränderungen bei Vermögen und Kapital (SuSa) monitoren. Und Sie können bei Bedarf gezielt eingreifen – vor allem rechtzeitig, bevor sich Krisen entwickeln.

Wir möchten Sie gern motivieren, regelmäßig mit BWA und SuSa zu arbeiten: hier zunächst mit etwas Theorie, in weiteren Folgen dann mit Beispielen zur praktischen Anwendung.

BWA und SuSa im Überblick

Warum bekommen Sie zwei Auswertungen und nicht nur eine? Die Antwort liegt im völlig unterschiedlichen Inhalt und Zweck:

BWA

SuSa

 
  • Vorstufe der Gewinn- und Verlustrechnung (vom Umsatz zum Ergebnis)
  • Information über den Stand der Erfolgskonten
 
 
  • Vorstufe der Bilanz (Vermögen und Kapital)
  • Information über Veränderungen (Zu- und Abgänge) und Salden der Bestands- und Erfolgskonten
 


Mit BWA und SuSa verfügen Sie somit über alle wesentlichen Kennzahlen, die Sie auch im Jahresabschluss wiederfinden – und zwar monatlich. Sie haben damit den Finanzstatus Ihres Unternehmens laufend im Blick. An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Beide Auswertungen bilden nur den aktuellen Stand der Buchungenab. Im Jahresabschluss können sich manche Positionen aufgrund abschließender Abgrenzungen, Buchungen und Bewertungen noch verändern.

Inhalt der BWA

Die BWA listet den Stand aller Erfolgskonten auf – vom Umsatz über die Kosten zum Ergebnis:

Erlöse und Erträge

Kosten und Aufwände

Ergebnisse

 
  • Umsatz
  • Bestandsveränderungen der Fertigen/Unfertigen Erzeugnisse
  • Gesamtleistung
  • Sonstige betriebliche Erlöse
  • Neutraler Ertrag
  • Zinserträge
 
 
  • Materialaufwand
  • Fremdleistungen
  • Bestandsveränderungen der Warenvorräte
  • Personalkosten
  • Abschreibungen
  • Sonstige Sachkosten
  • Neutraler Aufwand
  • Zinsen
  • Steuern  
  • Rohertrag
 
 
  • Betrieblicher Rohertrag
  • Betriebsergebnis (EBIT)
  • Ergebnis vor Steuern (EBT)
  • Vorläufiges Ergebnis
 


Aufbau der BWA

Die BWA wird in unterschiedlichen Formen erstellt. In der Regel enthält sie eine Kontoübersicht für den laufenden Monat und kumuliert für das Jahr, eine Aufstellung aller Einzelkonten und Angaben zu Anteilen und Veränderungen zum Vorjahr.  Achten Sie darauf, dass Ihre BWA auch eine laufende Monatsdarstellung enthält. In dieser werden alle Monate des laufenden Jahres gut übersichtlich nebeneinander abgebildet.    

Inhalt der SuSa

Die SuSa listet im ersten Teil alle Bestandskonten auf, also alle Konten der Aktiva und Passiva des Unternehmens. Hier typische Bestandskonten einer Kapitalgesellschaft:  

Aktiva (Vermögen)

Passiva (Kapital)

 
  • Anlagevermögen
  • Warenvorräte
  • Unfertige Erzeugnisse 
  • Forderungen
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 
  • Kassenbestand
  • Kontokorrentkonten
  • Rechnungsabgrenzungsposten
 
 
  • Gezeichnetes Kapital
  • Gewinnvortrag
  • Rückstellungen
  • Verbindlichkeiten
  • Finanzverbindlichkeiten (Darlehen, Finanzierungen)
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Rechnungsabgrenzungsposten
 


In weiteren Teilen werden die Summen und Salden aller Erfolgskonten sowie der Debitoren, Kreditoren und offenen Posten dargestellt. Die Salden der Erfolgskonten entsprechen dem Stand der BWA.

Aufbau der SuSa

Während die BWA den jeweiligen Stand eines Kontos wiedergibt, werden in der Susa die Veränderungen gebucht.  Dies erfolgt in den Kategorien „Soll“ und „Haben“, deren Bedeutung sich in Abhängigkeit von der Kontoart unterscheidet:  

 

Konto der Aktiva

Konto der Passiva

„Soll“ bedeutet…

Zugang
Erhöhung
„Plus“

Abgang
Verminderung
„Minus“

„Haben“ bedeutet…

Abgang
Verminderung
„Minus“

Zugang
Erhöhung
„Plus“


Hierzu folgende Tipps: Bei unbekannter oder unklarer Zuordnung hilft ein schneller Blick in die Bilanz, hier sind alle Konten erfasst. Und: Erfolgskonten werden grundsätzlich unter Passiva geführt, d.h. Zugänge im „Haben“ und Abgänge im „Soll“. 

Um die jeweiligen Veränderungen zu kennzeichnen, werden mehrere Werte angegeben: bei Bestandskonten der Ausgangswert (sogenannter Eröffnungsbilanzwert, EB-Wert), für alle Kontenarten die monatlichen und kumulierten Veränderungen (Zu- und Abgänge), und schließlich der neue Saldo. Hier Beispiele für Bestandskonten der Aktiva: 

EB-Wert
(Soll/Haben)

Kumul. Zugang (Soll)

Kumul. Abgang (Haben)

Saldo
(Soll/Haben)

5.000 S

10.000

1.000

14.000 S

5.000 H

10.000

1.000

4.000 S


Schließlich variiert die Struktur der SuSa  – im Gegensatz zur BWA – abhängig vom verwendeten Standardkontenrahmen (SKR) und der Rechtsform des Unternehmens: Ziffer (Konto) und Zuordnung (Kontenklasse) eines bestimmten Kontos unterscheiden sich im SKR 03 und SKR 04. Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften unterscheiden sich zudem im Bereich der Eigenkapitalkonten sowie Privateinlagen und -entnahmen.

Fazit:

Die BWA ist weitgehend selbsterklärend und intuitiv gut zu verstehen. Die SuSa ist vergleichsweise komplex und erfordert eine gewisse Einarbeitung und etwas Übung, insbesondere bei der Zuordnung von Konten und der Interpretation von „Soll“ und „Haben“. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, es lohnt sich:

Mit etwas Erfahrung werden BWA und Summen und Salden zu Ihren ständigen Begleitern im Tagesgeschäft: Sie helfen Ihnen, den Finanzstatus des Unternehmens engmaschig zu überwachen, bei Bedarf rechtzeitig einzugreifen und möglichen Fehlentwicklungen und unliebsamen Überraschungen im Jahresabschluss vorzubeugen.