Aktuelle Begriffe aus dem Innovationsmanagement – heute: Ambidextrie

Innovationsmanagement ist selbst eine innovative Disziplin – kontinuierlich entstehen neue Ansätze, Konzepte und Methoden, tauchen neue Trends und Schlagworte auf.

Wir verfolgen das Geschehen seit über 20 Jahren und haben viele Entwicklungen mehr oder weniger in der Praxis miterlebt. Manche Klassiker, etwa Konzepte wie Disruptive Innovation (C.M. Christensen 1997), der Stage Gate Prozess (R.G. Cooper 2001) oder Open Innovation (H. Chesbrough 2006) haben in der einen oder anderen Form in den Unternehmensalltag Einzug gehalten, andere noch nicht. 

An dieser Stelle berichten wir in loser Folge und kurz und knapp über aktuelle Begriffe und beginnen heute mit Ambidextrie. Ursprünglich bedeutet dies Beidhändigkeit, also gleich geschickt mit der rechten und linken Hand agieren zu können. 

Der ursprünglich medizinische Begriff wird seit Längerem auch im Organisationsmanagement verwendet. Er bedeutet dort, gleichzeitig effizient und flexibel zu agieren: bestehende Strukturen also zu stärken und zu optimieren (sog. Exploitation), gleichzeitig aber auch flexibel an neue Bedingungen anzupassen (sog. Exploration). Ein gutes Beispiel ist der gleichzeitige Umgang mit bestehenden und neuen Technologien, welcher im Zuge radikaler Marktumbrüche (z.B. Digitalisierung, Elektromobilität) immer wichtiger wird.

Im Innovationsmanagement kann Ambidextrie sinngemäß verwendet werden: als Beibehalten schrittweiser Innovationen mit dem Ziel der Optimierung des Bestehenden (etwa durch Produktverbesserungen und Prozessoptimierungen), bei gleichzeitigem Hervorbringen radikaler Innovationen (Schaffung von völlig Neuem, also sog. Durchbruchsinnovationen oder Disruptionen).

In der Praxis ist das aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeiten, die jeweils benötigt werden, oft schwierig umzusetzen. Manche größere Unternehmen behelfen sich deshalb mit der Ausgliederung radikaler Innovationen in eigene Strukturen, etwa sog. Innovation Cells oder Innovation Labs. Diese sollen dann, befreit von organisatorischen Zwängen der Mutterorganisation, besondere kreative Potenziale freisetzen. Innovative KMU sollten die Fähigkeit zur Ambidextrie aufgrund ihrer von Natur aus größeren Flexibilität deutlich besser beherrschen.