Aktuelle Begriffe aus dem Innovationsmanagement – heute: Strategic Foresight

Unternehmen operieren heute unter immer unbeständigeren, unsichereren, komplexeren und mehrdeutigeren Umfeldbedingungen – in einer sog. VUCA-Welt (Akronym aus den englischen Begriffen Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity). Wesentliche Treiber dafür sind u.a. die Digitalisierung sowie radikale technische Innovationen, Geschäftsmodelle und globale Megatrends.    

Umso wichtiger wird es, die für das eigene Unternehmen bedeutsamen Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, deren Chancen und Risiken zu bewerten und ggf. strategisch umzusetzen. Strategic Foresight– deutsch: strategische Voraussicht – ist dafür ein geeignetes Instrument, oder genauer gesagt: ein Strategieansatz. Dabei wird versucht, neue Entwicklungen laufend im Voraus aufzuspüren und je nach Bedeutung in den betrieblichen Strategie- und Innovationsprozess zu integrieren. Man spricht daher auch von strategischer Frühaufklärung. 

Ziel ist es vor allem, auf bedeutende Veränderungen, etwa im Markt-, Wettbewerbs- oder Technologieumfeld, vorbeugend reagieren zu können: 

  • Welche Spezialbauteile könnten zukünftig statt in CNC-Bearbeitungszentren mit 3-D-Druckern, also additiven Fertigungsverfahren, hergestellt werden?
  • Welche Bauarbeiten könnten zukünftig von Drohnen übernommen werden?
  • Welche technischen Dienstleistungen könnten zukünftig von mobilen autonomen Systemen erbracht werden, etwa Mess- oder Transportaufgaben?
  • Welche wissensbasierten Dienstleistungen könnten zukünftig von KI-Systemen erbracht werden, etwa medizinische Diagnosen oder Rechtsberatung?

Solche und ähnliche Fragen könnten sich stellen – und sollten rechtzeitig strategisch beantwortet werden, sollen Unternehmen nicht von den betreffenden Entwicklungen überrollt werden. Die jeweiligen Maßnahmen werden sich dabei nach der Ausbreitungsgeschwindigkeit des bzw. der jeweiligen Trends richten. 

Für die betriebliche Praxis stehen für den Foresight-Prozess zahlreiche Instrumente und Methoden zur Verfügung. Sie reichen von der systematischen Informationssammlung und -auswertung (z.B. Fachzeitschriften, Messebesuche, Roadmapping, Technologieradar) über Expertenbefragungen (z.B. Delphi-Methode) und Kreativprozesse (z.B. Brainstorming) bis hin zu komplexeren Modellen der Zukunftsforschung (z.B. Szenario-Analysen, Simulationsmodelle). Die jeweiligen Methoden sollten auf den Informationsstand und -bedarf des Unternehmens passgenau zugeschnitten werden.