Praxistipps Finanzierung: Liquiditätsplanung

Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung sind Kernbestandteile jedes Business Plans. Sie werden in der Regel über einen Zeitraum von mindestens zwei vollen Geschäftsjahren angelegt und gehören zu den üblichen Standardanforderungen bei Finanzierungen. Als sog. „rollierende Planung“ werden sie regelmäßig fortgeschrieben und dienen zugleich als Controlling-Tool.

Während die Rentabilitätsplanung Auskunft über zukünftige Umsatz- und Ertragskennzahlen liefert, dient die Liquiditätsplanung dazu, die zukünftigen Ein- und Auszahlungen möglichst genau darzustellen, insbesondere den Verlauf der freien Liquidität, also derjenigen Mittel, über die das Unternehmen verfügen kann. Abgebildet wird dies durch die Verrechnung der Kontostände am Beginn und Ende jedes Monats mit dem jeweiligen Cashflow und eventuell vorhandenen Kontokorrentlinien.

Die Liquiditätsplanung wird in der Praxis oft aus der Rentabilitätsplanung abgeleitet. Dabei lauern einige Fallstricke, die vermieden werden sollten, um Planabweichungen möglichst gering zu halten. Hierzu folgende Praxistipps:
 

  • Einzahlungen  aus Umsatzerlösen können mit den fakturierten Umsätzen der jeweiligen Periode übereinstimmen, müssen es aber nicht. Übereinstimmungen sind u.a. möglich bei sehr kurzen Zahlungszielen oder einem sehr gleichmäßigen Geschäftsverlauf, bei dem sich Verschiebungen aufgrund des Zahlungsziels ausgleichen. Bei sehr langen Zahlungszielen oder ungleichmäßigem Geschäftsverlauf (z.B. Anzahlungen, Abschlagszahlungen, Ratenzahlungen) stimmen Einzahlungen und fakturierte Umsätze oft nicht mehr überein und sollten unter Berücksichtigung der Periodenverschiebungen und jeweiligen Besonderheiten geplant werden.   
     
  • Fällige offene Posten (OPOS), also Debitoren- und Kreditorenrechnungen über Ziel, sollten immer berücksichtigt werden, da damit einhergehende Kontobewegungen sonst nicht nachvollzogen werden können. Die Summen- und Saldenliste erfasst leider nur Forderungen und Verbindlichkeiten in Gänze, nicht jedoch nach Fälligkeit. Deshalb sind die OPOS-Listen nach Fälligkeit auszuwerten und die überfälligen Ein- und Auszahlungen in der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen. Selbst bei einzelnen Periodenabweichungen sollte dann zumindest der geplante Kontostand zum Jahresende mit der Realität besser übereinstimmen.
     
  • Die üblichen OPOS-Listen berücksichtigen meist nur Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, nicht jedoch andere potenzielle Debitoren und Kreditoren, etwa Krankenkassen, Sozialversicherungen oder das Finanzamt. Diese Posten (z.B. Vorauszahlungen, Nachzahlungen, Erstattungen etc.) können ebenfalls zu erheblichen Verzerrungen der Planung führen und sind ggf. zusätzlich zu ermitteln und einzuplanen.
     
  • Umsatz- und Vorsteuern sind aus den Planumsätzen und -kosten zu errechnen und die Zahllasten periodengerecht einzuordnen, d.h. unter Berücksichtigung des Status als Ist- oder Soll-Zahler sowie der planmäßigen Zahlungstermine. Bei Dauerfristverlängerung mit 1/11 Sondervorauszahlung ist um einen Monat versetzt zu planen. Die tatsächlich berechneten Umsatz- und Vorsteuern jedes Monats können der betreffenden Summen- und Saldenliste entnommen und mit den jeweiligen Planwerten abgeglichen werden. Damit lassen sich hohe Planungsgenauigkeiten erzielen.
     
  • Ertragssteuern (GewSt, ESt, KSt) sollten dem Planergebnis entsprechend als kalkulatorische Steuern eingeplant werden. Hilfreich ist dabei in jedem Fall eine unterjährig fortgeschriebene Steuerschätzung durch den Steuerberater.
     
  • Kapitaldienste sind in der Rentabilitätsplanung nur mit den jeweiligen Zinsanteilen, nicht jedoch mit den Tilgungsanteilen abgebildet. Letztere sind daher in die Liquiditätsplanung gesondert aufzunehmen. Nur der Vollständigkeit halber: Natürlich dürfen auch die geplanten Investitionen und bei Personengesellschaften die geplanten Privatentnahmen nicht fehlen.  


Bei Beachtung dieser Tipps sollte die Liquiditätsplanung mit der Realität recht gut übereinstimmen. Zur Vereinfachnung dieser und anderer Planungen verwenden wir passgenaue Tools, welche wir unseren Mandanten zur weiteren Verwendung zur Verfügung stellen. Sprechen Sie uns gerne an!