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Direktbanken – eine Alternative auch für Firmenkunden

Im Trend: Online-Banking und Direktbanken

Online-Banking hat sich seit rund 25 Jahren fest etabliert: Klassische Kreditinstitute, sogenannte Filialbanken, bieten es als 24/7-Service parallel zum Filialgeschäft an. Zusätzlich sind neue, rein digital operierende Banken, sogenannte Direktbanken, erfolgreich in den Markt eingetreten. 

Für die meisten Privatkunden ist Online-Banking inzwischen selbstverständlich. Im Jahr 2024 nutzten im Durchschnitt aller Altersgruppen rund zwei Drittel (67%) der Befragten dieses Angebot [1]. Im gleichen Jahr nutzten 54% der Befragten Direktbanken [2]. 

Im Gegensatz dazu arbeiten Unternehmen vor allem mit Filialbanken – als Hausbank für sämtliche Bankdienstleistungen, von der Führung der Geschäftskonten über die laufende Firmenkundenbetreuung bis hin zu komplexen Finanzierungslösungen. Dies könnte sich in den nächsten Jahren allmählich ändern: 

Die vorhandenen Direktbanken werben zunehmend auch um Geschäftskunden. Gleichzeitig sind auf Business Banking spezialisierte Direktbanken in den Markt eingetreten, etwa Fyrst, Qonto oder Vivid. Der Anteil von Firmenkunden, die mit Direktbanken arbeiten, wurde im Jahr 2011 noch auf etwa ein Drittel geschätzt [3]. Bei immer stärkerer Digitalisierung und wachsendem Angebot an Direktbanken könnte er ähnlich zulegen wie im Privatkundengeschäft: Bei diesem betrug der Anteil von Kontoneueröffnungen bei Direktbanken im Jahr 2024 bereits über 45% [4].   

Worauf sollten Unternehmen achten?

Kosten und Leistungsangebot von Direktbanken unterscheiden sich teils deutlich. Aktuelle und detaillierte Überblicke dazu finden sich zum Beispiel hier und hier und hier. Zur ersten Orientierung hier eine kurze Checkliste:  

1. Unternehmensgröße

Generell treffen Angebot und Mehrwert von Direktbanken besonders gut den Bedarf kleinerer Unternehmen. Hierzu zählen etwa Start-ups, Selbständige, Freiberufler und KMU bis zu 250 Mitarbeitenden. Prüfen Sie daher, ob Ihr Unternehmen in die jeweilige Zielgruppe der potenziellen Direktbank passt. 

2. Kosten

Kostenvorteile sind in der Regel der Hauptgrund für die Wahl einer Direktbank. Vergleichen Sie deshalb die diversen Kosten Ihres potenziellen Institutes, etwa für Kontoeröffnung, Kontoführung, Überweisungen, Debit- und Kreditkarten und andere Zusatzleistungen. Für kleinere Unternehmen ergeben sich bei Standardleistungen meist deutliche Einsparpotenziale gegenüber klassischen Kreditinstituten – aber eben nicht immer. Achten Sie deshalb genau auf die jeweiligen Preisstrukturen und lesen Sie sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (das sogenannte „Kleingedruckte“) gut durch, um eventuelle Zusatzbedingungen und/oder Zusatzkosten nicht zu übersehen.   

3. Kreditvergabe

Prüfen Sie, ob Sie bei Ihrer potenziellen Direktbank Kredite erhalten können, und wenn ja, in welcher Höhe und zu welchen Konditionen, zum Beispiel: Gibt es eine Kontokorrentlinie? Können Sie diese überziehen? Welche Zinsen werden verlangt? Werden Sicherheiten benötigt?  

4. Beratungsleistungen

Filialbanken zeichnen sich im Allgemeinen durch ein breites, persönliches Beratungsangebot sowie feste FirmenkundenberaterInnen aus. Direktbanken verfügen hierüber entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt, was insbesondere in schwierigen Unternehmenssituationen von Nachteil ist. Prüfen Sie also, ob und wenn ja, welche Finanzierungs- und Beratungsleistungen Sie benötigen und ob  Sie diese bei der Direktbank bekommen. Dies kann in bestimmten Fällen kritisch sein, etwa bei Auslandsgeschäft oder bei der Beantragung von Förderkrediten: KfW-Kredite müssen zum Beispiel in der Regel über klassische Filialbanken oder deren Partner beantragt werden.  

5. Zusatzleistungen

Direktbanken bieten eine Reihe von Leistungen, die speziell für junge und kleinere (aber auch größere) Unternehmen sehr interessant sein können. Hierzu zählen u.a.:

  • Unterstützung bei der Unternehmensgründung
  • Integration von Buchhaltungstools
  • Integration von Planungstools, etwa zur Liquiditätsplanung
  • Anbindung von DATEV
  • Bereitstellung von Debit-und Kreditkarten
  • Abhebung von Bargeld über eigenes Filialnetz
  • U.v.a.m.

Prüfen Sie, ob Sie solche Leistungen benötigen und ob diese gegebenenfalls das geringere Leistungs- und Beratungsangebot gegenüber Filialbanken ausgleichen. 

Fazit: 

Direktbanken dringen zunehmend auch in das Firmenkundengeschäft vor. Sie bieten einfaches, flexibles Banking und decken die benötigten Basisleistungen meist kostengünstig ab, etwa alle Funktionen rund um das Geschäftskonto. 

Die digitale Plattform ermöglicht darüber hinaus zahlreiche Zusatzleistungen, etwa die Anbindung an diverse kaufmännische Tools. Bei anderen Leistungen, etwa Kreditlinien und Darlehen, bestehen teils deutliche Unterschiede – von nicht vorhanden bis eingeschränkt. Dies gilt auch und insbesondere für die individuelle Beratung. 

Die heutigen Direktbanken sind vor allem für junge und kleinere Online-orientierte Unternehmen interessant. Eine Zusammenarbeit sollte in jedem Fall gut vorbereitet werden. Hierzu sollte das Leistungsangebot der jeweiligen Direktbank genau mit dem individuellen Bedarf abgestimmt werden.    

[1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2025/PD25_38_p002.html (abgerufen am 08.12.2025)

[2] https://www.it-finanzmagazin.de/224066-224066/ (abgerufen am 08.12.2025)

[3] https://www.connect-professional.de/markt/direktbanken-vernachlaessigen-firmenkundengeschaeft-267723.html (abgerufen am 08.12.2025)

[4] https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/banken-neo-und-direktbanken-holen-filialbanken-bei-neuen-girokonten-ein/100155631.html (abgerufen am 08.12.2025)