Kontokorrentlinien (KK-Linien) dienen in erster Linie der Finanzierung von Betriebsmitteln. Sie können in der Regel „bis auf weiteres“, also unbefristet genutzt werden, gelten jedoch gleichzeitig als kurzfristige Verbindlichkeit und können prinzipiell jederzeit fällig gestellt werden.
Zudem sind sie teuer: Zinsen um 10% pro Jahr oder mehr sind nicht selten. Eine längerfristig hohe Inanspruchnahme kostet daher viel Geld – und kann sich auch indirekt nachteilig auswirken, weil sich Rating und somit auch zukünftige Finanzierungskonditionen verschlechtern können.
Ist eine Rückführung der KK-Linie nicht ohne weiteres möglich, wird oft eine Umfinanzierung (oder Umschuldung) in ein zinsgünstigeres Darlehen angestrebt. Man tauscht dann zwar die (zeitlich) offene Rückführung der KK-Linie gegen die feste Tilgung des Darlehens, profitiert aber beim Ergebnis von den niedrigeren Zinskosten.
Was sich einfach anhört, birgt im Detail einige Punkte, die gut überlegt und vorbereitet werden sollten. Dazu unsere Tipps:
1. Tatsächlichen Liquiditätsbedarf überprüfen
Stellen Sie vor der Umschuldung fest, wieviel KK-Linie Sie tatsächlich benötigen. Aktualisieren Sie hierzu Ihre Liquiditätsplanung anhand von Erfahrungswerten und realistischen Zukunftserwartungen. Hintergrund: Sie sollten damit rechnen, dass die KK-Linie im Zuge der Umschuldung nicht in voller Höhe aufrecht erhalten wird. Vielmehr wird oft das Limit reduziert, etwa durch Kürzung um den Darlehensbetrag oder auch darüber hinaus. Dies kann Ihren finanziellen Spielraum erheblich verringern.
Rechenbeispiel:
| Bei Aufrechterhaltung der KK-Linie: |
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| Ursprünglich verfügbare KK-Linie: | 150.000 EUR |
| Ursprüngliche Inanspruchnahme der KK-Linie: | 120.000 EUR |
| Umschuldungsdarlehen: | 80.000 EUR |
| Restliche KK-Inanspruchnahme: | 40.000 EUR |
Restliche verfügbare Liquidität: | 110.000 EUR |
| Bei Kürzung der KK-Linie: |
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| Ursprünglich verfügbare KK-Linie: | 150.000 EUR |
| Ursprüngliche Inanspruchnahme der KK-Linie: | 120.000 EUR |
| Umschuldungsdarlehen: | 80.000 EUR |
| Restliche KK-Inanspruchnahme: | 40.000 EUR |
| Gekürzte verfügbare KK-Linie: | 70.000 EUR |
Restliche verfügbare Liquidität: | 30.000 EUR |
2. Sicherheiten überprüfen
Sollten Sie tatsächlich eine KK-Linie in ursprünglicher Höhe benötigen, müssen Sie damit rechnen, dass Sie für das Umschuldungsdarlehen zusätzliche Sicherheiten stellen müssen. Prüfen Sie daher vorab Ihre Möglichkeiten, also u.a. noch unbelastete Realsicherheiten, die Abtretung von Forderungen (Globalzession), Sicherungsübereignungen von Maschinen und Anlagen, private Sicherheiten und anderes mehr.
Öffentliche Bürgschaftsbanken scheiden als Sicherungsgeber aus. Diese dürfen keine Umschuldungen verbürgen, sondern nur Neufinanzierungen und Finanzierungen von Working Capital, etwa Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
3. Finanzielle Auswirkungen der Umfinanzierung überprüfen
Rechnen Sie damit, dass Sie für ein Umschuldungsdarlehen einen Kapitaldienst aus Zinsen und Tilgungen leisten müssen. Dies bedeutet, dass das Ergebnis durch die geringeren Zinskosten gegenüber der KK-Linie zwar verbessert, die Liquidität aber durchaus zusätzlich belastet werden kann. Prüfen Sie deshalb vorab, inwieweit Sie den Kapitaldienst für das Umschuldungsdarlehen aus der Zinsersparnis gegenfinanzieren können.
Rechenbeispiel:
| Vor Umschuldung |
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| Ursprüngliche Inanspruchnahme KK-Linie: | 120.000 EUR |
| Zinskosten 10% p.a.: | 12.000 EUR |
Summe Zinskosten: | 12.000 EUR |
| Nach Umschuldung |
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| Ursprüngliche Inanspruchnahme KK-Linie: | 120.000 EUR |
| Umschuldungsdarlehen: | 80.000 EUR |
| Zinskosten 5% p.a.: | 4.000 EUR |
| Tilgung bei 10 Jahren Laufzeit p.a.: | 8.000 EUR |
| Summe Kapitaldienst Darlehen p.a.: | 12.000 EUR |
| Restliche Inanspruchnahme KK-Linie: | 40.000 EUR |
| Zinskosten 10% p.a. | 4.000 EUR |
Summe Zinskosten: | 8.000 EUR |
Summe Tilgungen: | 8.000 EUR |
Summe Kapitaldienste: | 16.000 EUR |
In diesem Beispiel würde das Ergebnis nach der Umschuldung um immerhin 4.000 EUR p.a. verbessert, jedoch würden dafür insgesamt 4.000 EUR mehr Liquidität benötigt – vorausgesetzt, die Inanspruchnahme kann nicht weiter gesenkt werden.
Hier weitere Tipps zum Kapitaldienst:
- Die Zinskosten des Darlehens verringern sich im Verlauf der Tilgung, während der Tilgungsanteil im gleichen Maße steigt.
- Es fallen laufend Zinskosten für die restliche, weiterhin in Anspruch genommenen KK-Linie an.
- Der Kapitaldienst für das Umschuldungsdarlehen sollte aus dem betrieblichen Cashflow heraus erfolgen, d.h. es sollte Kapitaldienstfähigkeit gegeben sein. Diese Frage wird von Ihrer Bank geprüft werden und schlussendlich die Entscheidung über die Kreditvergabe beeinflussen.
Fazit:
Umfinanzierungen von Kontokorrentlinien sollten gut vorbereitet werden. Der tatsächliche, realistische Liquiditätsbedarf, das Vorhandensein von Sicherheiten und die genauen finanziellen Auswirkungen sollten vorab geprüft werden: Umschuldungsfinanzierungen können Zinskosten sparen und das Ergebnis verbessern, aber auch mehr Liquidität benötigen. Und: Der Kapitaldienst für das Umschuldungsdarlehen sollte aus dem betrieblichen Cashflow – und nicht aus der KK-Linie heraus – gedeckt werden können.