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Zusammenspiel von Ergebnis, Cashflow und Liquidität

„Wir schreiben doch Gewinne, warum sieht man das nicht auf dem Konto?“

Dieser Frage begegnen wir immer wieder in der Praxis – oft in Situationen, in denen trotz laufender Gewinne die Auslastung der Kontokorrentlinie hartnäckig hoch bleibt. Hier also ein kurzes Update, warum betrieblicher Gewinn nicht automatisch auch Liquiditätszunahme bedeutet.  

Ergebnis

Das betriebliche Ergebnis, also Gewinn oder Verlust, bildet die Rentabilität des Unternehmens ab. Es ist im Kern eine buchhalterisch Größe und deshalb ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit zählbarer Liquidität. Der Grund ist einleuchtend: Ergebnisse werden durch zahlreiche Aufwände und Erträge beeinflusst, die entweder gar nicht, nicht in der gleichen Periode oder nicht in voller Höhe zahlungswirksam sind. Dazu einige Beispiele:
 

Art

Vorgang 

Erfolgswirksamkeit

Zahlungswirksamkeit

Investitionen

Erwerb von längerfristigen Vermögensgegenständen

Nein
 

Ja
periodengerecht

Aktivierung /
Nutzung von längerfristigen Vermögensgegenständen

Ja
(Aufwand durch Abschreibungen) 

Nein

Desinvestitionen

 

Deaktivierung /
Verkauf von längerfristigen Vermögensgegenständen

Nein/Ja
(erfolgsneutral oder neutraler Aufwand / Ertrag, je nach Differenz zwischen Verkaufserlös und Buchwert)

Ja
periodengerecht

Eigenleistungen für Forschung und Entwicklung

Erbringung /  
Aktivierung von Eigenleistungen 

Ja
(Ertrag durch Erhöhung der Gesamtleistung 

Nein
 

Nutzung von Eigenleistungen 

Ja
(Aufwand durch
Abschreibungen)

Nein
 

Veränderungen des Lagerbestands
von Handelsware

 

 

Zunahme des Lagerbestands 

Ja
(Ertrag durch Bestandsmehrung) 

Nein
 

Abnahme des Lagerbestands

Ja
(Aufwand durch Bestandsminderung)

Nein
 

Bestandsveränderungen an fertigen / unfertigen Erzeugnissen

Aufbau von Bestand an eigenen Erzeugnissen 

Ja
(Ertrag durch Erhöhung der Gesamtleistung)

Nein
 

Abbau von Bestand an eigenen Erzeugnissen

Ja
(Aufwand durch Minderung der Gesamtleistung)

Nein
 

Bildung von Rückstellungen

Vorwegnahme des Aufwands für ein zukünftiges Wagnis

Ja
(Erhöhung des Aufwands zum Zeitpunkt der Entstehung des Wagnisses)

Nein

 

Auflösung von Rückstellungen

Eintritt des Wagnisses

Nein/Ja
(erfolgsneutral oder neutraler Aufwand / Ertrag, je nach Differenz zwischen Rückstellungsbetrag und realem Aufwand)

Ja
periodenfremd
 


Das betriebliche Ergebnis bildet somit einen komplexen Mix aus periodengerechten und periodenfremden sowie zahlungswirksamen und nicht zahlungswirksamen Vorgängen ab. Mit der tatsächlichen Liquiditätsentwicklung auf dem Bankkonto hat das erst einmal wenig zu tun. Will man diese nachvollziehen, muss der Cashflow betrachtet werden. 

Cashflow

Der Cashflow (Kapitalfluss) entspricht dem Saldo aller Ein- und Auszahlungen des Unternehmens. Man unterscheidet dabei verschiedene Formen und Stufen, je nachdem, welche Ein- und Auszahlungen verrechnet werden.

Für Liquiditätsbetrachtungen relevant sind der Cashflow nach Geschäftstätigkeit (sog. operativer Cashflow), der Cashflow nach Investitionstätigkeit und der Cashflow nach Finanzierungstätigkeit. Berechnet werden dabei zahlungswirksame Veränderungen auf den Erfolgskonten (BWA, Gewinn-und Verlustrechnung) und den Bestandskonten (Summen und Salden, Bilanz). Zu Letzteren zählen Ein- und Auszahlungen unter anderem für: 

  • Material- und Warenvorräte 
  • Anzahlungen 
  • Investitionen und Desinvestitionen 
  • Finanzierungen und Tilgungen 
  • Offene Posten (Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen)
  • Rückstellungen
  • Rechnungsabgrenzungsposten
  • Privateinlagen und Privatentnahmen (bei Personengesellschaften) 

Der Cashflow zeigt deshalb, anders als das betriebliche Ergebnis, wieviel Kapital tatsächlich im Unternehmen bewegt wurde, wofür dieses verwendet wurde – und ob sich nach sämtlichen Ein- und Auszahlungen ein positiver oder negativer Liquiditätssaldo ergibt. Erst hier wird also deutlich, ob unter dem Strich auskömmlich gewirtschaftet wurde. 

Liquidität

Die Liquidität ist das Maß für die verfügbaren Finanzmittel und damit die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Die kurzfristige Zahlungsfähigkeit entspricht der Höhe der Kontosalden und deren Veränderungen dem jeweiligen Cashflow. In der Praxis treten dabei gewisse Unschärfen auf, welche Liquiditätsplanung und Liquiditätscontrolling erschweren können, etwa: 

  • Perioden- oder Abgrenzungseffekte: Die tatsächlichen Zahlungsbewegungen erfolgen oft nicht exakt zum Periodenende, sondern verschieben sich in die nächste Periode.
  • Geldtransit: Hierbei handelt es sich um Geld, das zwischen verschiedenen Konten bewegt wird, aber noch nicht auf dem Empfängerkonto „angekommen“ ist, also dort noch nicht eingebucht wurde. In den Summen und Salden wird Geldtransit laufend ausgewiesen. 
  • Auf- und Abbau der Offenen Posten: Die jeweiligen Zahlungsziele können über- oder unterschritten werden und genaue Termine nicht planbar sein.

Fazit:

Keine Frage: Das betriebliche Ergebnis, also der Gewinn oder Verlust, ist der größte Hebel für die Liquiditätsentwicklung des Unternehmens. Es ist jedoch nicht geeignet, den realen Kontostand zu prognostizieren. Hierzu muss der gesamte Kapitalfluss (Cashflow) unter Einschluss von Erfolgs- und Bestandskonten betrachtet werden. Häufig finden sich dann erst die wahren Auslöser von Liquiditätsproblemen – und nicht im eigentlichen operativen Geschäft. Bestimmte Umstände können es aber auch dann noch erschweren, tatsächliche Kontostände termingerecht zu planen oder exakt nachzuvollziehen.